Stichwort: „Vorsorge-Scheckheft für Frauen“: Zur Aktion im Deutschen Frauenrat

Früherkennung ist keine Vorsorge!

Der AKF plädiert für eine saubere begriffliche Trennung. Der Deutsche FrauenRat NRW forderte jüngst ein Vorsorge-Checkheft für Frauen. Der AKF formuliert seine Bedenken gegen Aktionismus.
An die Mitgliederversammlung des FrauenRat NRW e.V

Wir AKF-Frauen haben Ihre Resolution mit der Forderung eines einheitlichen, facharztübergreifenden Vorsorgeheftes für alle Frauen mit Interesse gelesen. Wir begrüssen das Engagement des FrauenRates für die Gesundheitsinteressen von Frauen, haben aber Zweifel, ob die vorgeschlagene Richtung zielführend ist.

Unseres Erachtens ist die vorrangige Massnahme eine Aufklärung darüber:

  • wann wirklich ist (z.B. Polio-Impfung),
  • wann es sich um Früherkennung handelt (z.B. Mammographie und Pap-Test),
  • wann Früherkennung wirklich Leben verlängern oder Leiden verringern kann, und
  • welches Risiko eine Frau mit Früherkennungsuntersuchungen eingeht bzw. welches Risiko sie eingeht, wenn sie diese Untersuchungen nicht wahrnimmt.

Die Umfrage-Ergebnisse zum Mammographie-Screening haben gezeigt, dass diese Grundlagen den teilnehmenden Frauen nicht bekannt sind. Frauen überschätzen die Effektivität von Screening-Untersuchungen und wissen zu wenig über deren Risiken und Nachteile.

Die Gleichung geht eben nicht auf, sondern kann sich in ihr Gegenteil verkehren. Solange die Vor- und Nachteile einer jeden Screening-Methode nicht systematisch evaluiert wurden und solange den teilnehmenden Frauen keine konkreten Zahlen zur Verfügung gestellt werden können, solange
zielt ein in die falsche Richtung:

  • es vermittelt eine illusionäre Sicherheit,
  • es schafft Abhängigkeit von medizinischen Maßnahmen statt Entscheidungsfreiheit im Kopf für ein vernünftiges Abwägen – vor dem Hintergrund der persönlichen Risikokonstellation und der Konsequenzen eines richtig oder falsch positiven Befundes auf die aktuelle Lebenssituation.

Eine Entscheidung für oder gegen einen Screening-Test ist immer eine ganz individuelle Entscheidung. Wir vom AKF haben uns auch deutlich gegen die Bemühungen der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ausgesprochen, Nicht-Teilnahme an Screening-Untersuchungen zu sanktionieren.

Ein Vorsorge-Checkheft könnte Frauen manipulieren, „Punkte zu sammeln“ statt sich vernünftig zu informieren und eine individuelle Entscheidung zu treffen. Wir plädieren dafür, zunächst gut verständliches Informationsmaterial auf der Basis der Evidenz-basierten Medizin für Vorsorge- und
Früherkennungsuntersuchungen zu erstellen und sind in diesem Bereich selbst und in Netzen aktiv.

Download

Brief an die Mitgliederversammlung des Deutschen Frauenrats (pdf)

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