Newsletter 5/2025
Aus dem Arbeitskreis Frauengesundheit e.V.
Kommende Veranstaltungen
Arbeitstagung der Frauenärztinnen im AKF: Gynäkologie & Geld, Donnerstag bis Sonntag, 16.-19. April 2026. Berlin. In der Berufswahl spielte Geld bei den meisten von uns vermutlich eine untergeordnete Rolle. Dennoch prägt es unseren Berufsalltag auf einigen Ebenen: Welche Leistungen werden vergütet? Wofür stehen Forschungsgelder zur Verfügung? Wie beeinflusst Armut die Gesundheit unserer Patient*innen? Wir sind nicht nur Mediziner*innen, sondern auch Unternehmer*innen, Führungskräfte, Arbeitgeber*innen oder Arbeitnehmer*innen, Antragsteller*innen für Fördergelder – und zudem selbst vom Gender Pay Gap betroffen.
Programm.
weiterlesen...
Rückblick
Alles Menopause oder WAS?! Zusammenfassung der AKF-Fachtagung vom 1. und 2.11.2025 in Leipzig. Die Fachtagung widmete sich der aktuellen Debatte um die Wechseljahre. Ziel der Tagung war es, jenseits von Mythen, Kommerz und Defizitdeutungen eine sachliche, evidenzbasierte und lebensnahe Auseinandersetzung mit dieser Übergangszeit zu fördern. Wir stellten die Frage, wie Frauen in der Lebensmitte angemessen versorgt und begleitet werden können, ohne ihre Erfahrungen zu pathologisieren oder zu trivialisieren. Dabei ging es ebenso um die Förderung von Gesundheitskompetenz und Selbstfürsorge wie um gute medizinische Praxis, Forschungslücken und strukturelle Rahmenbedingungen in Gesellschaft und Arbeitswelt. Ein ausführlicher Bericht zu den zwei Tagen findet sich hier. Einige Beiträge sind im Video abrufbar hier und auf YouTube (24.11.2025).
Aktivitäten
AKF: Wechseljahre zwischen Wissenschaft, Kommerz und gesellschaftlichem Wandel. Pressemitteilung (3.11.2025).
Die Bundesministerin für Gesundheit, Nina Warken, startete den Dialogprozess Wechseljahre. Ziel des Dialogprozesses ist es, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation für Frauen in den Wechseljahren zu entwickeln. Dafür sollen Arbeitsgruppen Themen wie Versorgungsdefizite, Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, Information und Aufklärung sowie Versorgungsforschung bearbeiteten. Die Vorsitzende, Juliane Sim und stellvertretende Vorsitzende, Silke Koppermann nahmen für den AKF an der Auftaktveranstaltung des Dialogprozesses im November 2025 teil. Bundesministerin Warken würdigte das Engagement des AKF explizit in der Begrüßung und wies darauf hin, dass das Bundesministerium die AKF-Fachtagung zum Thema gefördert hat. Der AKF wird zur Mitarbeit in den Arbeitsgruppen eingeladen (24.11.2025).
Arbeitskreis Frauengesundheit: USA: FDA entfernt Warnhinweise für Hormontherapie in den Wechseljahren – ohne neue Evidenz, aber mit viel Ideologie. Stellungnahme. Am 10.11.2025 verkündeten der Gesundheitsminister der USA, Robert F. Kennedy Jr., und der Chef der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, Marty Makary, bestimmte Warnhinweise in den Packungsbeilagen von Hormontherapie-Präparaten für Frauen in den Wechseljahren zurückzuziehen. Dabei verzichtete die FDA auf das übliche Verfahren zur Revision von Warnhinweisen. Stattdessen verließ Makary sich auf handverlesene Expert*innen mit Interessenskonflikten und auf veraltete wissenschaftliche Literatur. In der Pressekonferenz behauptete er, es gebe vielleicht keine andere medikamentöse Behandlung in der modernen Zeit, die die Gesundheit von Frauen bevölkerungsweit so sehr verbessern könne wie die Hormontherapie – das ist falsch. Der AKF ruft die deutschen und europäischen Fachgesellschaften und zuständigen Institutionen auf, dieser Fehlinformation gute, evidenzbasierte Empfehlungen und Informationen entgegenzustellen, sich im öffentlichen Diskurs einzumischen und diese problematischen Aussagen ins rechte Licht zu rücken (24.11.2025).
Weltstillwoche 2025: Unabhängige Beratung zur Babyernährung. Unter dem Motto „Du entscheidest. Nicht die Werbung“ fand die Weltstillwoche 2025 statt. Das Netzwerk Gesund ins Leben informiert Fachkräfte und Familien über dieses Thema und bietet ihnen Informationsmaterial an. Gemeinsames Ziel ist es, für das Thema zu sensibilisieren, unabhängige Beratung zu sichern und die Stillfreundlichkeit in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Pressemitteilung und Links zu Materialien (29.9.2025).
Armut und Gesundheit. Der Public Health Podcast zum Thema Müttergesundheit mit Dagmar Hertle, Gerlinde Schmidt-Hood und Antje Krause, ab Minute 10 (1:17:48) (20.11.2025).
Buchveröffentlichung: Baier, Alicia: Das Patriarchat im Uterus. Ein Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung. Von Macht und Entmündigung: Warum die Abtreibungsdebatte alle angeht. Die Gynäkologin und Co-Gründerin von Doctors for Choice Germany zeigt: Die aktuelle rechtliche Regelung in Deutschland verursacht nicht nur große Probleme in der medizinischen Praxis, sondern folgt auch patriarchalen Mustern und ist ein Einfallstor für rechte Ideologien. Von 2021 bis 2023 war Alicia Baier Beisitzerin im Vorstand des AKF (2025).
Patient*innenperspektiven. Geschlecht und Diversität bei der Entwicklung von Leitlinien und Entscheidungshilfen: Ein Leitfaden. Das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Projekt GenDivInfo der Universitäten Halle-Wittenberg, Bremen und der Charité Berlin entwickelte einen Leitfaden zur stärkeren Berücksichtigung von Patient*innenperspektiven sowie Geschlechts- und Diversitätsaspekten in medizinischen Leitlinien. Er unterstützt außerdem die Integration evidenzbasierter Entscheidungshilfen, die verschiedene Handlungsoptionen verständlich darstellen und informierte Entscheidungen ermöglichen. Zur Anwendung des Leitfadens werden praxisnahe Schulungstools bereitgestellt (1.4.2025). Nähere Informationen: Anke Steckelberg.
Elisabeth Horsch-Wutschel ist die neue Kassenwärtin im Vorstand des AKF. Wir danken Elisabeth, dass sie diese Aufgabe übernommen hat! Danke auch noch einmal an ihre Vorgängerin Katja Kießler-Funken für ihre Tätigkeit im letzten Jahr.
Eine von uns … aus unseren Mitgliedsorganisationen
Medica mondiale: Transgenerationales Trauma – Gewalt prägt. (Sexualisierte) Kriegsgewalt hat generationenübergreifende Folgen für Überlebende und die Gesellschaft. Studien weisen darauf hin, dass schwere Traumata sogar epigenetisch vererbt werden. Traces: Langzeitfolgen sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südtirol. Fact Sheet (2025).
Gesundheitsinformation und Patientinnenberatung
Hafner, S.; Hidaka, Y.: Digitale Gesundheitstechnologien zur Selbstidentifizierung des Risikos perinataler psychischer Erkrankungen. Austrian Institute for Health Technology Assessment, HTA-Projektbericht 167. Weltweit sind bis zu 20% der Mütter und 10% der Väter von perinatalen psychischen Erkrankungen betroffen, die sowohl für die Eltern als auch für das Kind ein Risiko darstellen. Eine frühzeitige Erkennung ist von entscheidender Bedeutung, um das Outcome zu verbessern, doch bestehen nach wie vor Hindernisse wie Stigmatisierung und Zugang zur Versorgung. Digitale Gesundheitstechnologien können die Entdeckung von perinatalen psychischen Erkrankungen durch Selbstidentifizierung erleichtern und bieten eine vielversprechende Alternative für die Früherkennung (25.9.2025).
Max-Planck-Institut: Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit (26.8.2025).
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: Relative Risiken, absolute Verwirrung: Warum das Mammographie-Screening nicht hält, was es verspricht. Die Unstatistik des Monats Juli ist die systematische Fehlinformation zum Mammographie-Screening. Ein prominentes Beispiel zeigt, wie vermeintliche Erfolge überzeichnet und potenzielle Schäden verschwiegen werden – zum Nachteil informierter Patientenentscheidungen (17.7.2025).
Cochrane Deutschland: Bislang umfassendste Evidenz bestätigt Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung. Daten aus zwei neuen Cochrane Reviews untermauern die Impfempfehlung zu Humanen Papillomviren (HPV): Die untersuchten Impfstoffe – die auf verschiedene HPV-Typen abzielen – schützen Frauen zuverlässig vor dauerhaften Infektionen mit den jeweiligen Viren. Zudem senken sie schon im frühen Erwachsenenalter wahrscheinlich das Risiko für Krebs am Gebärmutterhals. Langzeitdaten bestätigen, dass die Impfung gut verträglich ist, und liefern keine Hinweise auf schwere unerwünschte Wirkungen (24.11.2025).
Reproduktive Gesundheit
Khaikin, Yannay; Elangainesan, Praniya et al.: Intravaginal Vitamin C for the Treatment and Prevention of Bacterial Vaginosis: A Systematic Review and Meta-analysis. Obstetrics and Gynecology. Treatment with intravaginal vitamin C (250 mg daily for at least 6 days) may increase cure for bacterial vaginosis in the short term and may prevent recurrence; however, additional randomized trials are needed, particularly to evaluate recurrence beyond 1 month (23.10.2025).
Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG): S3 Leitlinie Lichen sclerosus (AWMF-Reg.-Nr. 013-105). Version 1.0 (6/2025).
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Studie frauen leben 4 zeigt: Entscheidung für Kinder hängt stärker als früher von den passenden Rahmenbedingungen ab. Kinder zu bekommen ist für mehr als die Hälfte der Frauen in Niedersachsen – dem Bundesland mit der höchsten Geburtenrate bundesweit – fester Teil ihres Lebensentwurfs. Eine stabile Partnerschaft spielt dabei eine wichtige Rolle: Zwei Drittel der Mütter sind bei der Geburt ihres ersten Kindes verheiratet, drei Viertel befinden sich in einer bereits mehrjährigen Partnerschaft (30.10.2025).
Robert Koch Institut: Fünfter Tätigkeitsbericht der Gendiagnostik-Kommission 2022-2024. Hier 4. Vorgeburtliche Diagnostik mittels NIPT (nicht invasiver Pränataltest) auf Trisomie 13, 18 und 21, Resümee, S.61 ff. Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik weist darauf hin: Das Risiko der Untersuchung bei zu breiter Anwendung sei die (unnötige) Beunruhigung durch falsch-positive Befunde und Testversager und die daraus folgenden notwendigen Abklärung durch Punktionen. Eine mögliche Begründung für die hohe Inanspruchnahme von schwangeren Frauen sei die gewünschte Bestimmung des Geschlechtes des Embryos oder Fötus: 17% nutzten NIPT wegen der Geschlechtsbestimmung, die bei geringer Zuzahlung angeboten wird. Schon deshalb sei die Inanspruchnahme generell erhöht (21.10.2025).
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Welt-Frühgeborenen-Tag: Qualitätssichernde Mindestmengen für Krankenhäuser sorgen für den bestmöglichen Start ins Leben. Etwa 8.000 Kinder kamen in Deutschland 2023 zu früh auf die Welt und wogen bei ihrer Geburt lediglich zwischen 500 und 1.500 Gramm. Im Jahr 2020 hatte der G-BA auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse beschlossen, die Mindestmenge für untergewichtige Früh- und Reifgeborene unter 1.250 Gramm schrittweise von 14 auf 25 hochzusetzen. Denn die Versorgung von Frühgeborenen mit einem Gewicht von weniger als 1.250 Gramm stellt überdurchschnittliche fachliche Anforderungen an das Personal (13.11.2025).
Science Media Center Germany: Geburtshilfe in Deutschland – Fahrzeiten, Fallzahlen, Versorgungslevel. Data Report. Übersicht zur Verteilung der verschiedenen Versorgungslevel von Geburtskliniken sowie zu deren Geburtenzahlen; aktuelle Fahrzeiten und zu erwartende Fahrzeitverlängerungen, wenn sehr kleine Geburtskliniken mit weniger als 500 Geburten pro Jahr aus der Versorgung fallen würden. Zahl der Geburten, die zuletzt nicht im angemessenen Versorgungslevel erfolgten (4.12.2025).
Moore, Elizabeth R.; Brimdyr, Kajsa et al.: Immediate or early skin-to-skin contact for mothers and their healthy newborn infants. Cochrane Database Systematic Review. This review supports immediate Skin to Skin Contact (SSC) after birth, regardless of mode of birth, for mothers and their healthy full-term and late preterm infants in middle-income and high-income countries (22.10.2025).
Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH): Studie: Junge Familien sind zunehmend psychosozial belastet. Das ergab das Monitoring Zusammen für Familien (ZuFa) Geburtsklinik 2024, zu dem das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in Kooperation mit dem Deutschen Krankenhausinstitut e. V. (DKI) bundesweit alle Geburtskliniken mit mehr als 300 Geburten pro Jahr befragte. Bei 15 Prozent der Familien sah das Klinikpersonal die gesunde Entwicklung des Kindes wegen der Belastungen sogar als gefährdet an – das sind fast doppelt so viele wie beim ersten ZuFa-Monitoring 2017 (acht Prozent). Die repräsentative Studie zeigt jedoch auch, dass die meisten Geburtskliniken in Deutschland darauf reagiert haben: Zwei Drittel der Kliniken haben mittlerweile einen Lotsendienst eingerichtet (2.9.2025).
Deutsches IVF-Register: Jahrbuch 2024. Schwangerschaftsraten, Geburtenraten und Abortraten in Abhängigkeit des Alters der Frauen, Schwangerschaftsraten über mehrere Zyklen. Seit 1997 sind in Deutschland 433.858 Kinder nach künstlicher Befruchtung zur Welt gekommen. Bei den Kinderwunschbehandlungen, die im Jahr 2023 begannen, wurden 19.976 Jungen und Mädchen nach Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation/IVF) geboren. Die Mehrlingsrate liegt mittlerweile unter 10%. Nicht angeführt wird die Geschlechterrate bei Geburt (29.11.2025).
Hadizadeh, Fatemeh; Koteci, Ardita; Karlsson, Torgny: Hormonal Contraceptive Formulations and Breast Cancer Risk in Adolescents and Premenopausal Women. Journal of the American Medical Association Oncology. In this cohort study of more than 2 million adolescent girls and premenopausal women in Sweden, breast cancer risk varied by hormone formulation in hormonal contraceptives. Oral formulations containing desogestrel were associated with a higher number of additional cases per 100 000 person-years compared to those containing levonorgestrel. These findings suggest that individuals at risk of breast cancer may benefit from avoiding desogestrel-containing hormonal contraceptives, particularly in progestin-only formulations (30.10.2025).
Buschmann, Laura; Bonberg, Nadine et al.: Teilnahme am Mammografie-Screening-Programm. Eine Analyse auf Basis von Daten der NAKO Gesundheitsstudie, einer Langzeit-Kohortenstudie an über 200.000 Bürger*innen. Während europäische Leitlinien bei Mammografie-Screening-Programmen (MSP) eine Mindestteilnahmequote von 70 % empfehlen, lag diese in Deutschland bislang bei nur 50 % pro Screening-Runde. In dieser Studie wurden deshalb Faktoren identifiziert, die mit einer MSP-Nicht-Inanspruchnahme verbunden sind. Deutsches Ärzteblatt (28.11.2025).
Deutsches Ärzteblatt: Lokale Rezidive beim Mammakarzinom: Mastektomie ist dem Brusterhalt bei jungen Patientinnen nicht überlegen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass das lokale Rezidivrisiko bei jungen Frauen mit Mammakarzinom durch eine brusterhaltende Operation gegenüber dem Risiko nach einer Mastektomie bei umfassenden Therapiestrategien nicht erhöht wird. Die Zunahme von Brustkrebserkrankungen, die in den letzten Jahren beobachtet wird, beruht also nicht auf der schonenden Behandlung des Ersttumors (17.10.2025).
Deutsches Ärzteblatt: Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch zuhause kann auch bis zur 12. Woche sicher sein. Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche kann von Frauen* zu Hause ebenso sicher und effektiv durchgeführt werden wie im Krankenhaus. Das zeigt eine retrospektive 5-Jahres-Analyse aus Edinburgh, die das British Medical Journal Sexual & Reproductive Health veröffentlichte. Die Autor*innen betonen, dass ihre Ergebnisse den bisherigen Daten zu medikamentösen Abbrüchen vor der 10. Schwangerschaftswoche entsprächen – unabhängig davon, ob diese zu Hause oder in einer Klinik erfolgten (16.10.2025).
European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF): Barriers to Abortion Persist Across Europe: Mapping Access to Abortion. Der Europäische Atlas für politische Strategien zum Schwangerschaftsabbruch bietet umfassende, vergleichende Übersichten zu gesetzlichen Grundlagen, Zugang, klinischer Versorgung, Gesundheitsinformation und Schutz vor Belästigungen in 49 europäischen Ländern und Gebieten (24.9.2025).
Amnesty International: Schwangerschaftsabbruch in Europa: Wenn Rechte nicht für alle gelten. Der Amnesty-Bericht analysiert die Lage für Frauen* bei Schwangerschaftsabbrüchen in insgesamt 40 europäischen Ländern. Er zeigt, wie schwierig Abtreibungen in Europa trotz gesetzlicher Regelungen bleiben. Schwangere Menschen werden unnötigen Risiken ausgesetzt. Regierungen müssen jetzt handeln! Ausführlicher Artikel auf Deutsch, Bericht in englischer Sprache (6.11.2025).
Weltgesundheitsorganisation (WHO): Integration of a human rights-based approach to comprehensive abortion care. Kostenfreier Onlinekurs auf Englisch zu umfassender reproduktiver Versorgung mit Schwangerschaftsabbruch. Er basiert auf der WHO-Leitlinie zur Versorgung mit Schwangerschaftsabbruch (Abortion Care Guideline) (2022). Zum Selbststudium, persönlich einteilbar, in fünf Modulen. Zeitaufwand insgesamt circa drei Stunden (5/2025).
Wessel, Felix: Der Fall Brosius-Gersdorf. So beeinflussen Online-Kampagnen Politik. Frauke Brosius-Gersdorf war designierte Verfassungsrichterin in Deutschland, bis sie im Sommer Opfer einer Diffamierungskampagne wurde. Im Fokus: ihre Position zum Thema Abtreibung. Ein Beispiel dafür, wie Empörung über soziale Medien strategisch eingesetzt wird. Deutschlandfunk Kultur (dlf) Podcast, 18,53 Min. (13.10.2025).
Atrio, J.M.; Sonalkar, S.; Kopp Kallner, H. et al.: Surgical versus medical methods for second-trimester induced abortion. Cochrane Database Systematic Review, 8;7(7)7 (8.7.2025).
NDR: Operative Schwangerschaftsabbrüche im Raum Flensburg immer schwieriger. Im neuen Förde-Klinikum in Flensburg soll es keine Schwangerschaftsabbrüche mehr geben. Bei der Fusion eines evangelischen und eines katholischen Trägers setzte sich letzterer mit seiner Position gegen Abtreibungen durch. Flensburg ist dabei kein Einzelfall. Experten kritisieren, dass die Landesregierung bei der Krankenhausplanung keinen Einspruch eingelegt habe. Panorama, 29,7 Minuten (25.11.2025).
Deutsches Ärzteblatt: Chefarzt gegen Klinik: Weiter Streit um Schwangerschaftsabbrüche. Der Arbeitsgerichtsprozess zwischen einem Chefarzt des Klinikums Lippstadt, Joachim Volz, und dem katholischen Krankenhausträger um das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen geht in die nächste Instanz. Das Landesarbeitsgericht Hamm teilte mit, dass es im Berufungsverfahren am 5. Februar 2026 zu einer mündlichen Verhandlung kommen werde (27.11.2025).
Rossouw, Jacques E.; Aragaki, Aaron K. et al.: Menopausal Hormone Therapy and Cardiovascular Diseases in Women With Vasomotor Symptoms: A Secondary Analysis of the Women’s Health Initiative Randomized Clinical Trials. The findings support guideline recommendations for treatment of vasomotor symptoms with hormone therapy (HT) in women aged 50 to 59 years, caution if initiating HT in women aged 60 to 69 years, and avoidance of HT in women 70 years and older (1.11.2025).
Wiener Programm für Frauengesundheit: Wunsch und Wirklichkeit von Schönheitseingriffen. Dreimonatige Kampagne. Die Kampagne löste eine intensive öffentliche Diskussion über die Risiken von Schönheitseingriffen und medialen Schönheitsdruck aus. Nach Hinweisen aus Medien und Bevölkerung konnte die Gruppe Sofortmaßnahmen der Magistratsdirektion mehrere illegale Anbieter von ästhetischen Eingriffen ausforschen und strafrechtlicher Verfolgung zuführen. Zentrale Elemente der Kampagne waren: Infowebsite Wunsch und Wirklichkeit. Was Sie über Filler, Botox und Schönheitseingriffe wissen sollten, Kurz-Folder mit Checkliste, zu bestellen über den Broschürenservice der Stadt Wien, 4-teilige Podcast-Reihe Filter, Filler, Folgen, und anderes mehr (9/2025).
Pflege und Sorgearbeit
Stähler, Tina: „Pflege geht uns alle an“ – Mehr Aufmerksamkeit für pflegende Angehörige. AOK Presse und Politik. Millionen Menschen in Deutschland übernehmen die Pflege von Angehörigen oder nahestehenden Personen – meist unbezahlt und oftmals zusätzlich zu ihrer Erwerbstätigkeit (23.10.2025).
weiterlesen...
Gesundheit und Gesellschaft
Deutsches Ärzteblatt: Schweden: Rechtliche Geschlechtsänderung bei Geschlechtsdysphorie fast immer dauerhaft. Fast alle Menschen mit der Diagnose Geschlechtsdysphorie (GD), die in Schweden ihr rechtliches Geschlecht änderten, blieben bei dieser Entscheidung. Nur in 21 von fast 2.500 Fällen kam es zu einer erneuten Änderung zurück zum bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Das zeigt eine nationale Kohortenstudie in JAMA Network Open (25.9.2025).
Max-Planck-Gesellschaft: Die Organe des Menschen sind nicht männlich oder weiblich. Organe bilden ein Mosaik geschlechtsspezifischer Merkmale. Während die Sexualorgane ein klares binäres Muster zeigen, weisen die meisten anderen Gewebe ein Kontinuum geschlechtsspezifischer Genaktivität auf – ein dynamisches Spektrum, das sich zwischen Arten wie auch zwischen Individuen unterscheidet. Geschlecht ist also nicht starr und eindeutig, sondern geprägt durch Evolution, Überschneidungen und individuelle Unterschiede (18.9.2025).
Eisenreich, Ruth: Langes Warten vor dem Frauenklo: Wie sich die Kloschlange abschaffen lässt. Moment.at (19.11.2025).
Deutscher Ärztinnenbund e. V. (DÄB) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin e. V. (DgesGM): Geschlechtersensible Medizin/Gendermedizin, niederschwellige Wanderausstellung. Auf 10–12 Postern werden bekannte und häufig vorkommende Erkrankungen/Themen wie Herzinfarkt, Broken-Heart-Syndrom, Blutgefäße und deren Funktionen, Pandemie, Impfreaktionen, Long Covid, Osteoporose, Depression, Klimafolgen und andere mehr mit Bild und kurzem, verständlichem Text beschrieben. Bei Interesse bitte Mail an Ausstellung@aerztinnenbund.de bis zum 31.12.2025.
Kuhn, Annegret; Mathes, Sonja et al.: Führung in deutschen Kliniken: Frauen fehlen in Vorständen und Geschäftsführungen. An Universitätsklinika und Krankenhäusern der Maximalversorgung sind Frauen in der administrativen Leitung deutlich unterrepräsentiert. Eine bundesweite Erhebung präsentiert Daten und zeigt auf, was zu mehr Chancengleichheit beitragen kann. Deutsches Ärzteblatt (28.11.2025).
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): BiB.Monitor Wohlbefinden 2025. Wie zufrieden sind Ein- und Ausgewanderte? In Deutschland hat jede vierte Person eine Einwanderungsgeschichte. Von diesen 21,2 Millionen Menschen sind rund drei Viertel selbst nach Deutschland zugewandert, ein weiteres Viertel wurde hierzulande geboren. Wie geht es dieser vielfältigen Bevölkerungsgruppe – wie zufrieden ist sie? (20.10.2025).
Cochrane Deutschland: „Abnehmspritzen“ helfen schwer Übergewichtigen beim Gewichtsverlust, aber unabhängige Studien fehlen. Drei neue Cochrane Reviews zeigen: Die als Abnehmspritzen bekannten Wirkstoffe Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid führen bei Menschen mit schwerem Übergewicht zu einer medizinisch bedeutsamen Gewichtsabnahme, solange die Therapie beibehalten wird. Allerdings haben die Hersteller der Präparate fast alle der randomisiert kontrollierten Studien, die in den drei Cochrane Reviews ausgewertet wurden, finanziert und durchgeführt. Geschlechterspezifische Daten wurden nicht angegeben (31.10.2025).
World Health Organisation (WHO): WHO issues global guideline on the use of GLP-1 medicines in treating obesity (1.12.2025).
Raval, Céline: GLP-1-Medikamente – Abnehmspritze: Frauen nehmen öfter Medikamente gegen Übergewicht. Zahlen weisen darauf hin, dass sich Frauen öfter die Abnehmspritze verschreiben lassen – obwohl mehr Männer von Übergewicht und Adipositas betroffen sind. SRF Schweizer Rundfunk Fernsehen (5.6.2025).
Deutsches Ärzteblatt: Verhütungsmittel für Männer: Europäische Arzneimittelagentur offen für Änderung der Rahmenbedingungen. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich jedoch keine Unternehmen und Forschungseinrichtungen in dieser Angelegenheit an sie gewendet. Demnach müsse insbesondere das Konzept von Risiken und Nutzen angepasst werden. Denn da sich eine Schwangerschaft nur auf den weiblichen Körper auswirkt, wird der Verhütungseffekt bei Männern nicht als Nutzen gewertet. Für Männer könnten deshalb bisher nur Präparate zugelassen werden, die wenig bis keine Nebenwirkungen haben (3.11.2025).
Deutsches Institut für Menschenrechte: Diskriminierung von Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Deutschland. Frauen und Mädchen mit Behinderungen sind oft mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt: Sie werden nicht nur aufgrund ihrer Beeinträchtigung, sondern auch aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt. Das Institut berichtete dem UN-Ausschuss über Hürden und Rechtsverletzungen, die Frauen und Mädchen mit Behinderungen in zentralen Lebensbereichen erleben (16.10.2025).
Wilpert, Bettina: Körper und Feminismus: Nicht eins, nicht zwei. Schwangerschaft bildet weitgehend eine Leerstelle in der Philosophie. Dabei kann sich unser Blick auf die Gesellschaft verändern, wenn wir sie theoretisch reflektieren. Es ist von Gewicht, wie Schwangere Schwangerschaften denken. Es ist von Gewicht, welche Sorgende Sorge tragen. WOZ, Die Wochenzeitung, 45 (6.11.2025).
Deutscher Ärztinnenbund (DÄB): Medizinische Suizidassistenz aus weiblicher Sicht. Stellungnahme – mit einer besonderen Fokussierung auf die Perspektive von Frauen. Die Ärztinnen des DÄB fordern, Suizidprävention wie Suizidassistenz differenziert und unter Einbezug von Gender-Aspekten zu gestalten.
weiterlesen...
Bock, Jessica: 50 Jahre „Der ,kleine Unterschied‘ und seine großen Folgen“ – ein Meilenstein der Frauenbewegung. Deutsches Digitales Frauenarchiv. Vor 50 Jahren löste Alice Schwarzers Buch eine gesellschaftliche Debatte über Unterdrückung, Sexualität und Hausfrauendasein aus (19.8.2025).
Hofstetter, Joana Lilli: Eine unentbehrliche politische Selbstvertretung – die Sexarbeitsbewegung nach 2013. Deutsches Digitales Frauenarchiv. Ab 2013 organisierten sich Sexarbeitende in Deutschland kollektiv, um rechtliche Einschränkungen zu verhindern. Doch mit der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes 2017 waren diese Bemühungen gescheitert. Dennoch schufen Sexarbeitende eine anhaltende und diverse Sexarbeitsbewegung (16.10.2025).
Internationale Frauengesundheit
Health Research Board Ireland: Women’s health treatment interventions and outcomes: An evidence and gap map review. The Department of Health requested this evidence review to identify the existing evidence base and gaps on the effectiveness of interventions to improve women’s health outcomes in selected conditions in Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) member countries, and to guide future research in this area (30.09.2025).
Nusselda, Wilmer et al.: Analysis of the results of the European Parliament’s public consultation on Women’s health. This paper presents findings from the European Parliament’s public consultation on women’s health in the EU. It covers a wide range of topics including care, education, workplace impact, information, and policy context. The results reflect the views of a selected population and offer exploratory insights into perceived gaps and priorities. This document was prepared at Erasmus MC by the Department of Public Health in collaboration with The Netherlands Women’s Health Research & Innovation Center at the request of the European Parliament’s Committee on Public Health (SANT) (11/2025).
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Rechte stärken, Armut beenden. Warum Deutschland stärker in sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte investieren sollte. Die von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung beauftragte Studie stützt sich auf aktuelle Daten und Stimmen junger Expert*innen und Aktivist*innen aus Ostafrika und fordert: Europäische Regierungen – auch Deutschland – müssen jetzt entschlossen in sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) und Armutsbekämpfung investieren, um Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung zu sichern (2025).
Gegen Gewalt an Frauen
Kennen Sie das Handzeichen als Notsignal bei sexualisierter und häuslicher Gewalt? In der Not diesen stillen Notruf jemandem signalisieren, oder, wenn Sie sehen, dass eine Person es macht, verständigen Sie die Polizei.
Deutsches Institut für Menschenrechte: Die EU-Gewaltschutzrichtlinie. Überblick über Ziele, Wirkung und Inhalt. Factsheet. Die Richtlinie 2024/1385 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ist der erste umfassende Rechtsakt der Europäischen Union (EU) zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Mit der Verabschiedung der Richtlinie nimmt die EU eine aktive Rolle bei der Förderung der Umsetzung der Istanbul-Konvention ein (7/2025).
European Union Agency for Fundamental Rights: Places of Care = Places of Safety? Violence against persons with disabilities in institutions. Report, Wien (2025).
European Institute for Gender Equality (EIGE): Responding to gender-based violence in the context of migration: Mapping EU Member States’ policies and actions. Publications Office of the European Union, Luxembourg (2025).
Und zum Schluss
20 Jahre Women on Web. Herzlichen Glückwunsch an die kanadische gemeinnützige Organisation Women on Web, die den Online-Zugang zu Abtreibungspillen ermöglicht. „Women on Web hofft auf eine Welt, in der Abtreibung als Teil des Lebens anerkannt und uneingeschränkt verfügbar ist.“ Ihr Hilfsangebot für Abtreibungspillen erleichtert Frauen und Schwangeren den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Abtreibungsbehandlung nach ihren eigenen Wünschen. Das internationale Team aus Aktivist*innen, Forschenden und medizinischen Fachkräften unterstützt Frauen* in 16 Sprachen in nahezu 200 Ländern. Seit 2005 ermöglichte das Team über 100.000 Frauen* den Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch mit Medikamenten und beantwortete über eine Million E-Mails. Women on Web forscht zur telemedizinischen Betreuung von Schwangerschaftsabbrüchen und zum selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruch und bietet Menschen zuverlässige, unvoreingenommene und praktische Informationen über Abtreibungspillen.