Velma Wallis: Zwei alte Frauen

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Wer Simone de Beauvoir „Das Alter“ gelesen hat, weiß, dass der angeblich freiwillige Tod der Alten eines Stammes, eines Volkes, alles andere als eine romantische Sterbebegleitung auf den See hinaus, ins ewige Eis oder unter rauschende Baumwipfel einschloss. Tatsächlich wurden die Alten, wenn die Ressourcen nicht mehr für alle reichten, ermordet oder ohne Nahrung zurückgelassen, dem Hunger- oder Kältetod preisgegeben. So verfährt man – die eigenen Kinder sind auch mit dabei, was besonders schmerzt – mit zwei alten Frauen des Athabaska-Stammes, eines Nomadenstammes in Alaska. Der Stamm zieht ohne sie weiter, insgeheim erleichtert, zwei unnütze Esserinnen weniger zu haben.

Die Erzählung „Zwei alte Frauen“ von Velma Wallis beschreibt die erste Verzweiflung und Ratlosigkeit der Beiden (die sich vorher nur flüchtig kannten), die sich dann jedoch mit ihrem Schicksal nicht abzufinden gedenken. Sie fangen ganz allmählich an, ihre eigenen Ressourcen (Cespur, Fertigkeiten, Erfahrungen, Längst vergessenes Know-how), die gebraucht werden, um in einer menschenfeindlichen Natur zu überleben, zu entdecken und einzusetzen. Am Ende sind sie die Siegerinnen und mit ihrem Stamm, der inzwischen weiter gezogen war, gibt es dann noch eine Überraschung, die hier nicht verraten werden soll. Die eindringliche Erzählung mit einfachen Worten und einer ursprünglichen Kraft ist von einer seltsamen Faszination. Die menschenfeindliche Wildnis, in der die Beiden unter unendlichen Strapazen ihr angeblich vorbestimmtes Schicksal bezwingen, ist für uns zwar fremd, die der Legende zu Grunde liegende Weisheit, nämlich die, dass Alter nicht automatisch Passivität und Hilflosigkeit bedeutet, ist allemal bedenkenswert. Ein lesenswertes Büchlein. Diese Kurzrezension ist erschienen in: AKF-Info 2/2005

VelmaWallis. Zwei alte Frauen. Erschienen bei verschiedenen Verlagen, etwa Piper, Heine-Verlag, München, ISBN 3-453-13087-1 oder Kabel -Verlag, ISBN 3 -8225-0606-0.

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