Atomkraft ist keine Option: Gemeinsame Erklärung mit Women in Europe for a Common Future

“Wir haben nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch unsere Zukunft verloren.” Natalia Manzurova, eine der wenigen noch lebenden Aufräumarbeiterinnen von Tschernobyl.


Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. unterstützt Women in Europe for a Common Future-Presseerklärung v. 14.03.2011:

Japan hat das größte Erdbeben in seiner Geschichte erlebt. Viele Leben wurden zerstört und das Land zutiefst in Mitleidenschaft gezogen. Auch Japans Kernkraftwerke sind betroffen. Die Strahlenbelastung hat zulässige Höchstwerte längst überschritten, die Bevölkerung in der Umgebung des am schwersten betroffenen Atomkraftwerks in Fukushima ist evakuiert.

Derzeit sind weltweit 60 neue Atomkraftwerke geplant. Sehr oft wird behauptet, dass, Atomkraft im Kampf gegen den Klimawandel gebraucht werde, da so weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Was jedoch unerwähnt bleibt, ist, dass Atomkraftwerke anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind: Sie benötigen große Mengen an Kühlwasser, in Dürrezeiten müssen sie abgeschaltet werden. Immer mehr Länder werden durch die zunehmende Erderwärmung davon betroffen sein. Wie die schweren Waldbrände in Russland im vergangenen Sommer, die auch nahegelegene Atomkraftwerke zu erreichen drohten, kann der Klimawandel zu Atomkatastrophen ähnlich wie in Tschernobyl führen. Kernkraftwerke bleiben eine radioaktive Bedrohung, auch wenn der Betrieb lange eingestellt ist. Was passiert, wenn die gesamte Anlage wegen des steigenden Meeresspiegels unter Wasser steht? Dies könnte z.B. in Holland mit der geplanten Anlage passieren.

Zukünftige Generationen tragen die Folgen

Lange Zeit argumentierte die Atomindustrie, dass bisherige Störfälle lediglich aufgrund veralteter Reaktortechnik, wie sie in Tschernobyl verwendet wurde, aufgetreten sind. Es wurde allenthalben davon ausgegangen, dass Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die sichersten Kernkraftanlagen der Welt besitzt. Wenn Japan eine Naturkatastrophe wie die jetzige nicht bewältigt, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass irgendein anderes Land dauerhaft Sicherheit garantieren kann.

WECF Deutschland wies aktuell in München darauf hin, dass keine einzige Versicherung die Atomindustrie für die immensen Schäden, die im Falle einer Katastrophe entstünden, versichern würde. In jedem Fall sind es aber die Menschen und künftige Generationen, die mit ihrer Gesundheit, ihrem Leben und ihrem Land bezahlen werden. Wir können die Situation in Japan lediglich erahnen und hoffen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen wird.
WECF-Partnerin Natalia Manzurova, heute Atomwissenschaftlerin und eine der wenigen lebenden Aufräumarbeiterinnen nach dem Super-GAU in Tschernobyl, skizziert, was vor 25 Jahren geschehen ist: “Stellen Sie sich eine Atomkatastrophe hier in dieser Stadt vor: Wir wären gezwungen, unseren Arbeitsplatz sofort zu verlassen und würden in Bussen wegtransportiert. Wir wüssten nicht, was mit unseren Familien, mit unseren Kindern passiert ist. Wir würden aufgefordert, uns auszuziehen und neue, fremdartige Kleidung anzulegen. Uns würde schmerzlich bewusst werden, dass wir nie mehr nach Hause zurückkehren und in unseren alten Wohnorten leben könnten – wir hätten unsere Vergangenheit und unsere Zukunft verloren.“

Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. hält – wie WECF und viele andere Organisationen der Anti-Atomkraftbewegung – Kernenergie für inakzeptabel.

Wir fordern deshalb den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft und ein Ende der Subventionen für Kernforschung. Wir akzeptieren nicht, dass die Europäische Kommission das Budget, welches bereits mehr als 50% des gesamten Forschungsbudgets ausmacht, für weitere Forschung der Atomindustrie erneut erhöht. WECF weist darauf hin, dass Exportgarantien für die Atomindustrie, wie es sie beispielsweise in Frankreich gibt, abgeschafft werden müssen. Dies unterstützen wir. Die Vorschläge Japans und anderer Länder im Rahmen der UN-Klimakonvention (UNFCCC), die Kernenergie für die Klimafinanzierung förderfähig zu machen, sind der falsche Weg.

Wir Frauen im AKF sind entsetzt über die atomaren Bedrohungen in Japan. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten den Menschen dort. Wir fordern die Bundesregierung und die Parteien im Parlament auf, unverzüglich alle notwendigen Schritte für den konsequenten Atom-Ausstieg einzuleiten.

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Weitere Informationen zu WECF unter:

www.wecf.eu

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