Fachgruppe Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen

Die Fachgruppe Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen im AKF wurde 2003 gegründet. Auch nach über 10 Jahren engagiert sich die Fachgruppe innerhalb wie außerhalb des AKF für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung lesbischer und bisexueller Frauen.

Workshop Lesbischer Kinderwunsch

Im Jahr 2001 fand mit dem Workshop „Lesbischer Kinderwunsch“ von Maria Beckermann erstmals eine Veranstaltung auf einer AKF-Jahrestagung statt, die explizit ein „lesbisches“ Thema aufgriff. Die Teilnehmerinnen waren sehr interessiert an gynäkologischem Fachwissen, wollten sich darüber hinaus aber auch gegen die Diskriminierung lesbischer Frauen im Gesundheitswesen positionieren. In Abstimmung mit der Gruppe verfasste die Workshop-Leiterin Maria Beckermann eine Stellungnahme, die dem AKF-Vorstand mit der Bitte um Unterzeichnung und Veröffentlichung übergeben wurde. Dazu kam es jedoch nicht – unter der Hand war zu erfahren, dass der Vorstand diesem Schritt nicht zugestimmt habe.

Gesundheit lesbischer Frauen

Vor diesem Hintergrund konstituierte sich zwei Jahre später die Fachgruppe und beteiligte sich an der Vorbereitung der Jahrestagung 2005 in Leipzig. Dort hielt Helga Seyler einen vielbeachteten Hauptvortrag zum Thema Gesundheit lesbischer Frauen. Sie zeigte auf, dass lesbisch und bisexuell lebende Frauen im Gesundheitsbereich eine Zielgruppe mit speziellen Bedarfen sind. Auswirkungen der gesellschaftlichen Diskriminierung auf die (psychische) Gesundheit und Defizite in der gesundheitlichen Versorgung durch Vorurteile und mangelndes Fachwissen von Professionellen stellen spezifische Risiken dar. Gleichzeitig bestehen bei diesen Frauen besondere Stärken und Ressourcen, die, wenn sie bekannt sind, in der gesundheitlichen Versorgung genutzt werden können. Es folgte eine lebhafte und auch kontroverse Diskussion im Veranstaltungsplenum. Auf der Tagung führte Gabriele Dennert zudem einem Workshop zum gleichen Thema durch.

Sichtbarkeit – Sichtbarmachung

Auch auf der Abschlussveranstaltung der Jahrestagung waren die Sichtbarkeit lesbischer und bisexueller Lebensweisen im AKF und die Gesundheitsanliegen lesbischer und bisexueller Frauen ein strittiges und teilweise emotionales Thema. Einige der anwesenden Mitglieder kritisierten die Unsichtbarkeit nicht-heterosexueller Frauen im AKF und die mangelnde fachliche Repräsentanz von lesbischen und bisexuellen Themen. Es sei bei ihnen das Gefühl entstanden, dass es im AKF nicht gerne gesehen sei, wenn lesbische Frauen offen mit ihrer Lebensweise umgingen und das Thema Lesbengesundheit in die Öffentlichkeit tragen würden. Außerdem brachten einige Frauen auch zum Ausdruck, dass die jahrelange Ignoranz im AKF sexueller Vielfalt gegenüber sie auch verletzen würde. Damit lösten sie lebhafte Reaktionen aus, zum Teil verständnisvoll, teilweise abwehrend. In der Tagungs-dokumentation findet sich dazu das knappe Fazit „Es bestand Einvernehmen, dass die vielen im AKF engagierten lesbischen Frauen eine gewaltige Ressource des Vereins bilden, mit der wir noch wertschätzender umgehen könnten“.

Flyer Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen

In immer wieder wechselnder Besetzung setzte die Fachgruppe ihr Engagement im Verband fort. Inzwischen gab sie bei mehreren Jahrestagungen Impulse in Form von Workshops oder Teilnahme an Podiumsdiskussionen. Eine sehr positive Wirkung nach außen erzielt der Flyer Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen, der von der Fachgruppe erstellt wurde. Er informiert Angehörige von Gesundheitsberufen und Nutzerinnen der Gesundheitsversorgung über spezielle Bedarfe und Anliegen lesbischer und bisexueller Frauen. Darüber hinaus bieten Fachbeiträge auf der AKF-Website über verschiedene Themen wie z.B. Kinderwunsch oder sexuell übertragbare Infektionen Informationen zu lesbischen und bisexuellen Themen. Eine Buchveröffentlichung über die beruflichen Erfahrungen lesbischer Ärztinnen wurde durch Spenden aus der Fachgruppe Gynäkologie im AKF unterstützt. Große Unterstützung erhielt die Arbeit der Fachgruppe, seit Maria Beckermann 2008 die Erste Vorsitzende des AKF wurde. Sie hat sich von Anfang an als lesbisch geoutet und die Sichtbarmachung des Engagements von lesbischen Frauen im und außerhalb des AKF auf die Agenda geschrieben.

Die Frauen der Fachgruppe stehen für Dritte als Expertinnen und Ansprechpartnerinnen für Fragen zu sexueller Orientierung und Lebensweise und Gesundheit zur Verfügung und werden auch immer wieder als Interviewpartnerinnen oder Referentinnen angefragt. Sie sind mit anderen in diesem Bereich arbeitenden Organisationen vernetzt und kooperieren mit diesen bei Fachveranstaltungen. In der Zusammenarbeit mit solchen Organisationen sind zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen entstanden. Die Fachgruppe unterstützt auch Studierende und Promovend_innen, die eine Qualifikationsarbeit zu einem lesbischen bzw. bisexueller Gesundheitsthema schreiben möchten.

Sensibilisierung im AKF

So konnte durch die stetige Arbeit der Fachgruppe und ihrer Fachfrauen eine zunehmende Sensibilisierung innerhalb wie auch außerhalb des AKF für sexuelle Diversität erreicht werden. Doch es bleibt noch viel zu tun – und Ideen für zukünftige Themen und Initiativen zu lesbischen und bisexuellen Gesundheitsthemen gibt es etliche. Wir freuen uns deshalb weiterhin über neue Interessentinnen an einer Mitarbeit in der Fachgruppe.

Ansprechpartnerinnnen

Ansprechpartnerinnnen Gabriele DennertHelga Seyler und Maria Beckermann

Veröffentlichungen von Frauen der Fachgruppe

Dennert, G.: Die gesundheitliche Situation lesbischer Frauen in Deutschland. Herbolzheim,
Centaurus. 2005

Dennert, G. / Leidinger, C. / Rauchut, F.: In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und
Geschichte von Lesben. Berlin, Quer. 2007

Dennert, G. / Wolf,G.: Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen. Zugangsbarrieren im
Versorgungssystem als gesundheitspolitische Herausforderung. Femina politica 2009, 28. Jg. (1), S. 48-59.

Dennert, G.: Gesundheit und Gesundheitsversorgung lesbischer und schwuler MigrantInnen in Deutschland. Dossier Migration und Gesundheit der Heinrich-Böll-Stiftung 2009

Dennert, G.: Die psychische Gesundheit von Lesben und Schwulen – eine Übersicht europäischer Studien. Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis 2006;38(3):559-76.

Seyler, H.: Lesbische Ärztinnen. Erfahrungen und Strategien im Berufsleben. Frankfurt a.M. Mabuse-Verlag, 2013

Seyler, H.: Beratung und Betreuung von Lesben mit Kinderwunsch. Pro familia medizin. Der Familienplanungsrundbrief 2013, Nr. 3/4

Beckermann, Maria J., Lesbisch lebende Frauen, in: Frauen-Heilkunde und Geburts-Hilfe, Hg. Beckermann, Maria J., Perl, Friederike M., Schwabe Verlag Basel 2004

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