Wie ökonomische Zwänge die Gesundheitsversorgung beeinflussen

Wie ökonomische Zwänge die Gesundheitsversorgung beeinflussen

Arbeitstagung der Frauenärztinnen im AKF „Gynäkologie und Geld“: 17.- 19. April 2026,Gyn25 Berlin

Berlin, April 2026

Unter dem Titel „Gynäkologie und Geld“ diskutierten die Gynäkolog*innen des AKF (Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.) vom 17. bis 19. April 2026 gemeinsam mit Referent*innen aus Medizin, Sozialwesen, Politik und Wissenschaft über den Einfluss von Ökonomisierung auf die gynäkologische Versorgung. Die Tagung machte deutlich: Finanzielle Strukturen prägen die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Uterus in nahezu allen Bereichen – oft mit gravierenden Folgen für Versorgungsgerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit.

Im Mittelpunkt standen Fragen nach struktureller Benachteiligung, ungleicher Forschungsförderung und den Auswirkungen wirtschaftlicher Interessen auf medizinische Versorgung. Deutlich wurde dabei, wie eng ökonomische Ungleichheit und Genderdiskriminierung miteinander verbunden sind.
Ein zentrales Beispiel ist die Versorgung von Menschen mit Endometriose. Obwohl die Erkrankung zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen zählt, gibt es nach wie vor nur wenige Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Als wesentliche Ursache wurde auf der Tagung die unzureichende Finanzierung der Forschung und inadäquate Abrechnungsmöglichkeiten der notwendigen ganzheitlichen Versorgung benannt. Gleichzeitig erhalten deutlich seltenere Erkrankungen häufig wesentlich mehr Fördermittel – insbesondere dann, wenn sie nicht ausschließlich Frauen beziehungsweise Menschen mit Uterus betreffen.

Auch die wirtschaftlichen Folgen von Elternschaft wurden intensiv diskutiert. Besonders Frauen in heterosexuellen Beziehungen erleben nach der Geburt von Kindern häufig erhebliche Einbußen beim Einkommen und später bei den Rentenansprüchen. Studien und Erfahrungsberichte zeigen hingegen, dass diese finanziellen Nachteile in homosexuellen Partnerschaften deutlich geringer ausfallen und die Care-Arbeit dort oft gleichmäßiger verteilt wird.

Besorgnis löste zudem die Situation bei der Versorgung von Betroffenen sexualisierter Gewalt aus. In Berlin wurden mit seinen rund 3,4 Millionen Einwohner*innen im Jahr 2025 offiziell mehr als 2.111 Sexualdelikte gemeldet. Damit stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent an. Nichtsdestotrotz existieren aktuell lediglich zwei Anlaufstellen für eine vertrauliche Spurensicherung.

Die Tagung zeigte zugleich, dass alternative Modelle einer solidarischen Gesundheitsversorgung möglich sind. Die Vorstellung von Projekten wie das Gesundheitskollektiv in Berlin ermöglichten einen Einblick in die Organisation einer bedarfsgerechten und ganzheitlichen Versorgung – auch wenn solche Initiativen häufig unter erheblichem finanziellem und strukturellem Druck stehen.
Die Teilnehmer*innen fordern daher ein grundsätzliches Umdenken in der Gesundheitspolitik. Im Fokus müsse die Frage stehen, wie eine gerechte und qualitativ hochwertige Versorgung für Menschen aller Geschlechter und sozialer Hintergründe gewährleistet werden kann – nicht, wie möglichst viel Geld eingespart wird.
„Den Unternehmen und Milliardären sind Einzelschicksale oft egal – entscheidend sind lediglich wirtschaftliche Kennzahlen. Genau deshalb braucht Gesundheitsversorgung klare gesellschaftliche Verantwortung statt weiterer Privatisierung.“, erklärt Dr. med. Nora Lennartz, Mitglied des AKF.

Der AKF fordert deshalb den Ausbau bedarfsgerechter, solidarischer Gesundheitsstrukturen sowie bessere Rahmenbedingungen für Menschen und Initiativen, die sich für eine gerechte Versorgung einsetzen. Weitere Privatisierung im Gesundheitswesen würde bestehende Ungleichheiten verschärfen, anstatt sie abzubauen.

Programm zum Download

Spenden

Für unsere Arbeit und den Einsatz für mehr Frauengesundheit brauchen wir Ihre Unterstützung!

Jetzt spenden

Mitmachen

Unterstützen Sie unsere Ziele als Mitglied in einer starken Gemeinschaft!


Mitglied werden

Newsletter

Der AKF Newsletter informiert mehrmals im Jahr über Termine und aktuelle Themen rund um die Frauengesundheit.

Anmelden

Kontakt


Bundesallee 42
10715 Berlin

Winterferien 22.12.25 – 12.01.26
Telefonzeiten:
mo, die & fr, 10-12 Uhr
Tel.: 01511- 8998285
E-Mail: buero@akf-info.de